Rezension:
von Christiane Walter
Im ersten Augenblick war ich enttäuscht, dass dieser Film das australische und nicht das deutsche Gesundheitswesen in Hinblick auf Steißlagenmanagement beleuchtet. Außerdem wird Englisch gesprochen, mit Übersetzungsstimme aus dem Off. Nach kurzer Zeit wurde mir jedoch klar, dass das australische System unserem sehr ähnelt und die Probleme die gleichen sind: etwa Forensik, steigende Sectioraten und immer mehr Frauen, die nicht gebären, sondern sich entbinden lassen wollen. Die Ausgangssituation in diesem Dokumentarfilm ist folgende: Eine im sechsten Monat schwangere österreichische Einwanderin muss sich in den restlichen drei Monaten bis zur Geburt in einem fremden Gesundheitssystem zurechtfinden. Diese Frau, als 38-jährige Erstgebärende bereits eine Risikoschwangere, möchte eine möglichst natürliche Geburt. Vier Wochen vor Termin muss sie feststellen, dass ihr Kind in Beckenendlage liegt und damit per Kaiserschnitt entbunden werden soll. Ihr Weg bis zur normalen Spontangeburt ist sehr bewegend und einfühlsam geschildert. Dabei kommen auch ihre Hebammen und Freundinnen zu Wort, ebenso wie die Ärztin, die sie letztendlich bei der Geburt mit betreut.
Sehr gut hat mir gefallen, dass jedes Für und Wider genannt wurde – ohne sicher zu wissen, was das Richtige ist. Die Zerrissenheit der Frau und ihr Bedürfnis, das Richtige für sich und ihr Kind zu tun, wurden nachvollziehbar. Gekrönt wird der Film von der spontanen Fuß-Steißlagengeburt im Vierfüßlerstand und das sichtbare Glück der Eltern, aber auch der Geburtshelfer.
Ein sehr emotionaler, wunderschöner, wichtiger Film, den ich jederzeit Frauen mit BEL ausleihen würde und ganz bestimmt allen in der Geburtshilfe Tätigen in meinem Umfeld.
DHZ 11/2010


