Rezension:
von Manuela Bennau
Anlass zu diesem Sammelwerk war die große Resonanz auf den gleichnamigen Kongress, welcher im Dezember 2006 zu Ehren von Prof. T. Berry Brazelton in München stattfand. Auf knapp 350 Seiten finden sich 17 Beiträge unterschiedlicher Länge und Qualität von international anerkannten ExpertInnen der Gebiete Bindungsforschung, Neurobiologie und Genetik. Es wird gezeigt, dass der Säugling über sehr differenzierte Fähigkeiten verfügt, mit seinen Mitmenschen in Beziehung zu treten. Diese Erkenntnis aus der Theorie soll nun weiter ihren Weg in die Praxis finden. Durch einige der doch sehr speziellen Aufsätze aus dem Bereich der Neurobiologie musste ich mich durchkämpfen und ohne entsprechendes Vorwissen sind diese kaum zu verstehen. Doch es gab auch einige sehr aufschlussreiche Artikel, die ich mit Hingabe gelesen habe und die mein intuitives Gefühl mit aktuellen Forschungsergebnissen untermauern. So zum Beispiel Joachim Bensel: Der Einfluss westlicher Betreuungspraktiken und Geburtsumstände auf den Verhaltenszustand von Säuglingen. Als besonders informativ stellte sich auch der Beitrag von Karl Heinz Brisch am Ende des Buches heraus – er stellt darin das SAFE-Programm vor. Heidelise Als und Samantha Butler zeigen in ihrem Aufsatz, wie sich eine individualisierte Pflege auf der Neugeborenenintensivstation positiv auf Frühgeborene auswirkt. Auf die Bedeutung von Massage und Berührung geht Maria Hernandez-Reif ein. Andere Autoren beschäftigen sich mit Methoden, das Lernen des Fetus bereits intrauterin zu studieren, mit Spiegelneuronen, mit Gehirnverletzungen und möglichen Heilungschancen in der frühen Entwicklungsphase des Gehirns. Wer am neuesten Stand der Säuglingsforschung interessiert ist, liegt mit diesem Buch goldrichtig! Doch auch überwiegend Praxisorientierte können auf ihre Kosten kommen und Anregungen für ihre Arbeit mit Säuglingen und deren Eltern erhalten.


