Rezension:
von Ute Twellenkamp
Nach ihrem ersten Titel „Ein Baby will getragen sein“ legt die Humanbiologin Dr. Evelin Kirkilionis nun ein Buch vor, mit dem sie Eltern Mut machen will, sich wieder auf ihre Intuition und ihre biologisch angelegten Fähigkeiten zur Versorgung eines Kindes zu besinnen und auf diese zu vertrauen. Untermauert von verhaltensbiologischen Studien stellt sie anschaulich dar, dass die Natur vorgesorgt hat: „Das Bedürfnis des Kindes nach Geborgenheit, emotionaler Sicherheit und zuverlässigem Kontakt ist ein biologisch verankertes Grundbedürfnis, das mit einem ebenfalls verankerten ‚intuitiven Elternprogramm’ verknüpft ist.“
Eltern und Kind sind demnach mit ihren Kompetenzen gut aufeinander abgestimmt, vorausgesetzt, diesen angeborenen Fähigkeiten gelingt es, sich gegen die Erfordernisse des Alltags durchzusetzen. Leider ist das intuitive Programm störanfällig. Vor allem Stress, Zeitmangel und Unsicherheit sind Gift für seine reibungslose Realisierung. Eben dies erleben wir Hebammen in unserer Beratungstätigkeit nur allzu häufig: Die Eltern ringen mit sich selbst und ihrer Umgebung um den „richtigen“ Weg für die Beziehung zu ihrem Baby. Da ist auf der einen Seite ihr instinktives Gespür für ihr Kind, dem auf der anderen Seite die oft von außen geschürte Angst, es zu „verwöhnen“ und „sich um den Finger wickeln“ zu lassen, entgegensteht.
Die Autorin tritt dieser Verunsicherung mit vielen Beispielen und konkreten Handlungsempfehlungen entgegen. So betont sie immer wieder, wie wichtig es ist, dem Kind möglichst viel Nähe und Körperkontakt zu geben, sei es nun durch das Tragen am elterlichen Körper oder auch durch das gemeinsame Schlafen. Weiterhin empfiehlt sie das Stillen nach Bedarf – Ratschläge, die wohl jede Hebamme den von ihr betreuten Familien geben sollte. All dies seien Faktoren, die nicht nur der Bindung zwischen Eltern und Kind zugute kämen, sondern auch dazu beitrügen, dass aus einem kleinen Menschlein ein selbstbewusster und zu reifen Beziehungen fähiger Erwachsener würde.
Ich halte dieses Buch für eine gelungene Basislektüre nicht nur für frischgebackene Eltern, sondern auch für uns Hebammen und alle, die Eltern in dieser Zeit begleiten, um ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse, sowohl der Kinder, als auch der Eltern zu erlangen und sie in ihren Fähigkeiten zu bestärken. Viele Kolleginnen dürften rein intuitiv in ihrer Arbeit so manch eine Empfehlung der Autorin aussprechen, so dass sie sich durch die vorliegende Lektüre bestätigt, aber auch durch sachliche Argumente unterstützt sehen werden. Eines meiner wichtigsten Ziele in meiner Beratungstätigkeit ist die Bestärkung der Eltern in ihren Kompetenzen und ihrem Selbstbewusstsein. Ich werde dieses Buch interessierten Müttern und Vätern (aber auch Großeltern!) daher künftig gerne weiterempfehlen.


