Rezension:
von Birgit Heimbach
Um eine Frau während der Geburtsarbeit gut zu unterstützen, muss die Hebamme zuallererst sich selbst motivieren, indem sie den Sinn und die Funktion des Schmerzes und Leidens versteht, ist sich Verena Schmid sicher. Ausführlich beschreibt sie in ihrem Buch zunächst die kulturellen Hintergründe des Geburtsschmerzes und dessen physiologischen Grundlagen und Funktionen. Die wohl berühmteste Hebamme Italiens geht dabei sehr in die Tiefe, beschreibt beispielsweise Enkephaline, das lemniskale System und die A-Delta-Fasern, Vokabeln, die den meisten Hebamme wohl eher nicht so geläufig sind. Die Kapitel sind gut verständlich geschrieben. Sie sind spannend und erhellend. Nach einer kurzen Vorstellung der medikamentösen Schmerzbekämpfung geht es dann auf 20 Seiten ausführlich um die physiologischen Methoden der Schmerzlinderung. Verena Schmid meint, dass Hebammen dabei wissen müssen, dass der Geburtschmerz ein großes Potenzial zur Verwandlung in sich birgt, erst dann haben sie die Stärke und Überzeugungskraft, die Gebärende im richtigen Moment zu ermutigen. In einem weiteren Kapitel gibt es wertvolle Tipps für Geburtsvorbereitungskurse. Die Hebammenlehrerin erläutert, wie man Frauen im Prozess des Empowerments unterstützt. Anschließend geht die Autorin dem leidigen Thema „Wunschsectio“ nach, spricht provozierend von der zerstückelten Frau. Ingeborg Stadelmann hat das Geleitwort für dieses wertvolle Buch geschrieben. Sie wünscht sich, dass es dazu beiträgt, die natürliche Geburt wieder zu einem Vorgang zu machen, bei dem alle Beteiligten bedenken, dass Gebären umso besser funktioniert, je weniger es gestört wird. Es ist eines dieser Grundlagenbücher, das man bereits in der Ausbildung zumindest mal angeschaut haben sollte. Ich hätte so ein Buch gern viel früher gelesen.


