Rezension:
von Heike Hesterberg
Das Buch „Beckenboden“ versteht sich als Physiofachbuch und wurde 2003 von Beate Carriere herausgegeben. Es umfasst insgesamt 467 Seiten, ist in sechs Kapitel unterteilt und beinhaltet 321 Abbildungen und 86 Fotos. Die Beiträge wurden von mehr als 20 Fachautorinnen und Fachautoren aus zehn Nationen erarbeitet. Das erste Kapitel liefert die Grundlagen. Im Bereich der weiblichen Beckenbodenanatomie stellt der Autor für Anatomie neue wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die den allgemein üblichen und bisherigen Wissensstand in Frage stellen. Sollten sich diese neuen Erkenntnisse als richtig durchsetzen, muss die weibliche Beckenbodenanatomie zukünftig allerorts neu gelehrt werden! Im zweiten Kapitel werden mögliche Behandlungstechniken vorgestellt. Hier sind zum Beispiel die manuelle Therapie, Bindegewebsmassage, physikalische Therapien, wie unter anderem Biofeedback- und Elektrostimulation, viszerale Mobilisierung, Training und funktionelle Übungen, Diagnostik und Behandlung zu finden. Thema des dritten Kapitels ist die Therapie bei Kindern wie beispielsweise Enuresis- und Enkopresisvorkommen, Klassifizierung, Ursachen, Untersuchungen, und medizinische Maßnahmen. Kapitel vier befasst sich mit der Therapie von Frauen. Es wurde im ersten Teil von Angela Heller geschrieben und beinhaltet einige bekannte Inhalte aus ihren bisher veröffentlichten Büchern. Nachfolgende Kapitelthemen von weiteren AutorInnen sind beispielsweise Speicher- und Entleerungsstörungen, Senkungsbeschwerden und Therapie von sexuellen und Beckenbodendysfunktionen. Die Therapie von Männern ist der Schwerpunkt des fünften Kapitels. Hier finden LeserInnen Wissenswertes aus der Gesamtpalette der „Männerkrankheiten“ wie beispielsweise Probleme der Prostata (Vergrößerungen, Tumoren, Krebs, Prostataektomie), Inkontinenzdefinitionen, Befund- und Behandlungsansätze. Auch das Thema erektile Dysfunktion wird eingehend betrachtet. Das letzte Kapitel ist der Therapie bei rektaler und analer Dysfunktion gewidmet. Neben speziellen anatomischen Betrachtungen des Darmes und des Analkanals finden LeserInnen Informationen zu Kontinenz- und Entleerungsmechanismen, wie zu Störungen, Erkrankungen, Diagnosemöglichkeiten und Therapien. Das Werk ist ein ganzheitliches, umfassendes und aktuelles Lehrbuch. Das geballte theoretische und praktische Wissen rund um den Beckenboden, seine möglichen Probleme, Erkrankungen, sowie sämtliche Diagnose- und Therapieansätzen ist insgesamt hervorragend erarbeitet, fachlich fundiert und stellt in meinen Augen derzeit das ((kursiv)) Standardwerk zum Thema Beckenboden schlechthin dar! Die Komplexität des Themas ist in den einzelnen Kapiteln geschlechts- und generationsübergreifend dargestellt, was häufiger zu thematischen Wiederholungen führt. Aufgrund der inhaltlichen Vielfalt und Fülle ist dieser Umstand jedoch kein Fehler. Das Lesen ist für „NichtphysiotherapeutInnen“ an manchen Stellen schwierig, da fachspezifische Terminologie und therapeutisches Grundwissen vorausgesetzt wird. Obgleich viele Behandlungsempfehlungen PhysiotherapeutInnen wahrscheinlich vorbehalten sind, empfehle ich das Buch trotzdem den Hebammen, denen ein umfassendes thematisches Hintergrundwissen wichtig ist.


