Rezension:
von Bettina Seipel
Die Schweizer Hebamme und Craniosacraltherapeutin Brigitte Renate Meissner hat im Eigenverlag ein Buch herausgegeben, mit dessen Hilfe bei Müttern und Kindern emotionale Narben aus Schwangerschaft und Geburt aufgelöst werden können. Es handelt vom Babyheilbad, Heilgesprächen und dem rosa Liebesfaden. Als ich das Buch zugeschickt bekam, wollte ich es schon als „esoterischen Kram“ abstempeln. Nach dem Lesen bin ich aber offener für das Thema geworden.
Bei dem Heilbad wird das Kind gebadet und dann nackt und nass der Mutter auf die Brust (unter warme Tücher) gelegt, um das Gefühl direkt nach der Geburt nachzustellen. Mit dem Heilbad und dem anschließenden „Ankommen“ bei der Mama, werden das Urvertrauen und damit die Fähigkeit zu entspannen gestärkt. Die Fotos zeigen anschaulich, wie ein Babyheilbad durchzuführen ist.
Im Heilgespräch erzählt die Mutter dem Kind von dessen Geburt. Der Vorgang und mögliche Formulierungen werden beschrieben. Ich zweifele nicht an der Existenz von emotionalen Narben, aber einige Parallelen von Symptomen und Geburtsverlauf hätte ich bisher als „Ich bastle mir eine Erklärung“ abgetan. Das Buch hat mich aber zum Nachdenken angeregt. Ob es daran liegt, dass man sich während eines Heilgespräches intensiv mit dem Kind beschäftigt und durch die Aussprache zur inneren Ruhe kommt, oder ob es wirklich auf den Inhalt ankommt, kann jede für sich beantworten. Doch die Methode scheint gute Ergebnisse zu erzielen. Brigitte Renate Meissner arbeitet schon lange damit und kann die Erfolge einschätzen.
Um den verlorenen Kontakt zum (ungeborenen oder geborenen) Kind wieder herzustellen, kann das Konzept des „rosaroten Herzensfadens oder Liebesfadens“ genutzt werden. Dabei stellt man sich vor, wie sich vom mütterlichen Herz ein rosaroter Faden zum Herzen des Kindes zieht. Bei Trennungen ist dieser unendlich lang ausziehbar. Eine tröstende Vorstellung, insbesondere für Eltern mit Kindern auf der Intensivstation – oder wenn das Kind verstorben ist.
Manchmal fragte ich mich, ob wir Hebammen dafür ausgebildet sind, um die aufkommenden Emotionen begleiten zu können. Da das Buch sich auch an Eltern wendet, ist kein Kapitel über Kommunikation oder psychische Betreuung dabei. Wenn man diese Wege mit den Frauen gehen will, ist es wichtig, hinter dem Konzept zu stehen, um authentisch zu wirken. Nicht jede Frau kann sich darauf einlassen. Doch wenn Hebamme und Mutter dies vertreten, können diese Maßnahmen den Familien wohl gute Hilfe leisten.


