Rezension:
von Julia Berg
Wie der Titel schon sagt, beantwortet der Ratgeber eine Vielzahl von Fragen rund um das Thema Geburt. Auf circa 250 Seiten haben die AutorInnen – eine freiberufliche Hebamme, ein Universitätsprofessor für Frauenheilkunde und eine Medizinjournalistin – Fragen zusammengetragen, wie wir sie oft von werdenden Eltern hören. Sie sind folgenden Themen zugeordnet: Geburtsvorbereitung; Erste Anzeichen; Es geht los; Die Geburt; Kaiserschnitt/operative Geburt/Frühgeburt; Ambulante Geburt/Hausgeburt; Endlich ist das Baby da; Wochenbett und: Was Papa wissen möchte. Im Anhang finden sich ein Glossar zum Nachschlagen von medizinischen Fachbegriffen und eine Liste mit nützlichen Adressen. Die Antworten auf die Fragen sind fachlich fundiert, sachlich, aber auch informativ, und können werdenden Eltern viele Ängste nehmen. Der Ratgeber hat ein kleines Format mit einem Kunststoffeinband und passt somit in jede Handtasche. Gut gefallen hat mir an dem Buch die Antwort auf die Frage: „Ich habe Angst, dass ich es nicht rechtzeitig ins Krankenhaus schaffe. Was passiert dann?“ Hier geben die Autoren ganz praktisch Anleitung. Auch das Thema „Ambulante Geburt/Hausgeburt“ ist interessant geschrieben.
Aber es gibt auch einige Kritikpunkte: Bei der Gestaltung des Ratgebers wurde auf eine Bebilderung komplett verzichtet. Dies finde ich sehr schade, sollten doch Darstellungen beispielsweise verschiedener Gebärpositionen in einem Elternratgeber zum Thema Geburt nicht fehlen. Das Thema Kaiserschnitt wird sehr ausführlich behandelt, der Eingriff als solcher jedoch meiner Meinung nach nicht ausreichend reflektiert. Auf die Frage: „Ist es für das Kind nicht schonender, per Kaiserschnitt auf die Welt zu kommen?“ antworten die Autoren: „... es gibt gut abgesicherte Studien, die herausfanden, dass Babys nach einem geplanten Kaiserschnitt weniger gestresst auf die Welt kommen als bei einer vaginalen Geburt.(...) Tatsache ist jedoch, dass Kaiserschnittkinder als Neugeborene keine Verformungen des Kopfes aufweisen, was bei vaginalen Geburten ... immer wieder vorkommt. Neugeborene, die nach abgeschlossener 39. Schwangerschaftswoche per Sectio zur Welt kommen, zeigen keine ernsthaften Anpassungsstörungen ...“ Sicherlich war es den AutorInnen ein Anliegen, den Leserinnen Ängste vor einem möglichen Kaiserschnitt zu nehmen. Aber wir wissen schließlich alle, dass der „Stress“, den ein gesundes Kind bei einer unkomplizierten Spontangeburt erlebt, keinesfalls negativ zu bewerten ist. Das Gegenteil ist der Fall. Auch beim Thema PDA halte ich es für sehr wichtig, zu erwähnen, dass mit dem Ausschleichen der Anästhetika gegen Ende der Geburt nicht nur das Gefühl für den richtigen Zeitpunkt zum Mitschieben, sondern auch der Schmerz wiederkommt. Dies gehört zu einer ehrlichen Aufklärung. Schließlich gibt es auch mit PDA keine komplett schmerzfreie Geburt.
DHZ 9/2010


