Rezension:
von Bettina Seipel
„Babyzeit – Kinderzeit“ ist ein Beschäftigungsbuch für die ersten drei Lebensjahre. Die Autorin Katharina Mahrenholtz ist Hörfunkredakteurin und „Familienanimateurin für zwei Kinder“. Im Gegensatz zu anderen Beschäftigungsbüchern bezieht sich dieses auf das Baby- und Kleinkindalter und die Ideen sind dementsprechend einfach gehalten. Finger- und Bewegungsspiele, Lieder, Bastelideen, Lückenfüller und anderes findet man hier. Klingt nicht sehr innovativ! Aber was dieses Buch so besonders macht, ist die überspitzte, lustige Schreibweise. Während des Lesens habe ich mich als Mutter wiedererkannt und musste oft lachen. Die Autorin bringt es fertig, Eltern zum Spielen zu animieren, ohne aus den Augen zu verlieren, dass nicht jede Kinderbeschäftigung attraktiv für Eltern ist. So gesteht sie Eltern zu, dass es auch unterfordernd ist, anstatt zu kniffligen Strategiespielen zum Farbwürfel zu greifen oder wie peinlich und anstrengend es sein kann, für sein Kind „den Horst zu machen“. Und trotz der Zugeständnisse legt man am Ende das Buch weg und kann sich gar nicht entscheiden, was man nun zuerst ausprobieren will.
Der Test am Anfang ist zu schnell zu durchschauen, den hätte es nicht gebraucht – ich entschied irgendwann nicht mehr danach, was auf mich zutrifft, sondern was für eine Mutter ich gerne sein möchte – der Spielmuffel, der Animateur oder der Pädagoge.
Schön fand ich die Ideen für die Jahreszeiten und so sind meine drei Kleinen schon mit Haushaltsschwämmen an den Füßen durchs Planschbecken gewatet. Das Kapitel über die Entwicklung beunruhigte mich, bevor ich es gelesen hatte, da die Autorin so viel auf Individualität und „Druck nehmen“ Wert gelegt hatte. Doch sie blieb sich treu und rief dazu auf, nichts zu erzwingen, und erklärte, dass es für die Entwicklung keinen Terminplan gibt, sondern die Vorgaben nur der Orientierung dienen.
Auch wenn die Ideen des Buches Kinder fördern, legt sie Wert darauf, dem Kind keinen Leistungsdruck zu machen. Die Spiele und Bastelarbeiten kommen mit vielen Haushaltsgegenständen aus. Was eine Pekip-Gruppe ist, dass in der Waldorfschule nicht nur Namen getanzt werden und viele andere Informationen fließen am Rande mit ein. Gewünscht hätte ich mir noch einen deutlicheren Aufruf zum Kuscheln. Sie schreibt zwar, dass Kinder nicht nur Action und Förderung, sondern auch Ruhe brauchen, aber dennoch fehlten mir die Gefühlsebene und das Bonding etwas. Auch Tipps fürs Elternsein und Paarbleiben könnte sie mit hinein nehmen.
Als Mutter fand ich das Buch inspirierend und ich war von der überspitzten, teils sarkastischen Art begeistert – es hat Spaß gemacht, es zu lesen.
DHZ 7/2010


